Milan (Synonym)
Hauptbrandmeister und Lehrrettungsassistent, Stabsfeldwebel d. Res.

Vor langer, langer Zeit - ich glaube es ist jetzt 41 Jahre her - begann meine berufliche Laufbahn mit der Lehre zum Maschinenschlosser bei einem bekannten - aber heute nicht mehr existenten - börsennotierten Unternehmen für Schwermaschinen. Durch den anschließenden freiwillig mehrjährigen Dienst in der Bundeswehr fand ich den Weg zur Medizin. Während dieser Zeit absolvierte ich dort zahlreiche Ausbildungen und Praktika an namhaften Instituten und Krankenhäusern. Unter anderem konnte ich die Ausbildung zum Krankenpfleger sowie Fachweiterbildungen zum Instrumenteur und Narkosegehilfen erlangen. Praktika im BwZkrhs Koblenz, Bwk Ulm, Bwk Hamm und einige zivile Krankenhäuser rundeten die Ausbildung ab. Als Gruppenführer, Zugführer und zuletzt auch als Reservist habe ich Soldaten betreut und ausgebildet.

Seit nunmehr 30 Jahren bin ich bei einer Berufsfeuerwehr tätig und habe hier viele Lehrgänge, die zum Wissenspektrum eines Feuerwehrmannes gehören, absolviert. Auf einem NEF bin ich seit etwa 20 Jahren kontinuierlich als Lehrrettungsassistent eingesetzt. Hier bin ich organisatorischer Fachberater und Assistent des Notarztes, Ansprechpartner und Anleiter für junge Notärzte und Praktikanten sowie Kontrollorgan des Einsatzablaufes.

Während meiner gesamten Dienstzeit konnte ich die rasende Entwicklung in der Rettungsmedizin hautnah miterleben.
Von der Notfalltasche zum Rucksack, mit Krawatte und Kittel, vom Pulmotor bis Medumat, vom Visicard bis Lifepak, vom Transportschein zum mehrseitigen Rettungsdienstprotokoll.

Die Ausbildungen und Anforderungen in der Rettungsmedizin werden immer anspruchsvoller, die Erwartungen der Bürger an das Rettungsdienstpersonal ebenso. Waren es noch früher Rettungshelfer und Rettungssanitäter, wurden daraus in den 80-iger Jahren schon Rettungsassistenten mit zweijähriger Ausbildung. Mittlerweile reicht auch diese Ausbildung bei dem heutigen Umfang der verlangten Maßnahmen nicht mehr aus. Es entstand der Notfallsanitäter mit einer nunmehr dreijährigen Vollausbildung. Dieser Schritt der Höherqualifizierung wurde notwendig um frühestmöglich aktuelle wissenschaftliche Standards der Notfallmedizin umzuseten. Einerseits wären dafür mehr Notärzte erfoderlich, die es nicht gibt, andererseits mußte die Qualifikation des ärztlichen Hilfspersonals auf EU-Niveau angehoben werden (siehe Paramedics oder Notfallsanitäter in Österreich/Schweiz). Somit wird jeder Notfallsanitäter heute zu einem Spezialist ausgebildet, der definierte ärztliche Maßnahmen selbständig ausführen darf. Dazu gehört es auch sich regelmäßig mit Standard-Arbeits-Anweisungen zu befassen und es wird ebenso verlangt regelmäßig an Weiterbildungen teilzunehmen und verschiedene Tätigkeiten rezertifizieren zu lassen. Nicht von ungefähr, wenn man bedenkt, dass die Bedienungsanleitung allein vom Lifepak 15 knapp 300 Seiten umfasst und vom Medumat Transport etwa 150 Seiten, dazu kommen noch Krankheitslehre, -zig EKG-Bilder und weit über 50 Notfallmedikamente mit Dosierungen, Wirkungen und Nebenwirkungen. Ganz zu schweigen von den vielen verordneten Medikamenten der Patienten, woraus sich im Notfall eine mögliche Erkrankung des Patienten herleiten lässt.

Jeder Mitarbeiter, der mal vier Wochen nicht auf einem RTW/NEF eingesetzt war, hat feststellen müssen, dass Fachwissen verloren geht. Dieses kann nur mit einer ständigen Konfrontation mit diesen Arbeitsmitteln aufrechterhalten werden. Ein Bedienungsfehler oder ein falsch verabreichtes Medikament könnte fatale, wenn nicht sogar tödliche Auswirkungen haben. Somit ist jeder einzelne aufgefordert, das Erlernte immer wieder durch Selbststudium oder durch Lehrgänge zu erhalten.


Ich hoffe, dass diese Homepage eine erste Anlaufstelle darstellt und rege benutzt wird.



Ps.:
Leider werden durch die Personalverantwortlichen aufgrund knapper Haushaltskassen, die Mannschaften nicht mehr nach Eignung und Neigung eingesetzt, sondern nur noch bedarfsgerecht. Die vor Jahren eingeführten Funktionsstellen, die eine Garantie für Spezialisten waren, werden abgeschmolzen und in der Form nicht wieder besetzt. Zukünftig soll Jeder - Alles - Überall können. Nicht nur im Brandschutz, sondern auch im Rettungsdienst geht die Entwicklung unaufhaltsam weiter und wird zunehmend komplexer, sodass auch hier nach kürzester Zeit ein Wissensvakuum entsteht, wenn nicht kontinuierlich eine Konfrontation mit den jeweiligen Themengebieten stattfindet. Unter diesen Umständen wird niemand mehr die volle Leistung im jeweiligen Bereich erbringen können. Die Mannschaften werden ständig überfordert, machen Fehler und werden in absehbarer Zeit krank (z.B. Burn Out), - ein unkalkulierbares Personalrisiko entsteht. Diese Entwicklung ist im Rettungsdienst ganz besonders fatal, weil die Bedürftigen, Kranken und zu Schützenden - oder anders ausgedrückt: "Menschenleben" - über kurz oder lang zu Schaden kommen werden. Hier wird bewusst um Kosten einzusparen, Personal ausgeblutet, absehbare Fehler in der Patientenversorgung in Kauf genommen und ein mühsam aufgebautes, gut funktionierendes Rettungssystem zu Grabe getragen. Im Schadenfall werden die Fragen nach der Fürsorge und einem möglichen Organisationsverschulden eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Und weil das ganze noch nicht genug ist, soll unter dem Deckmantel der EU-Arbeitszeitverordnung bei Teilen der Berufsfeuerwehren auch noch der 12-Std-Dienst eingeführt werden. Das ganze in Form einer "Salamitaktik", damit es nach außen nicht wahrgenommen wird. Dabei übergibt man nach und nach den Rettungsdienst an Angestellte, wodurch Feuerwehrleute verfügbar werden. Auf diese Idee kommt man, weil der Rettungsdienst kostenneutral agiert. Dieser wird durch die Krankenkassen refinanziert. Die Feuerwehr muß vorgehalten werden und kostet Geld. Ein Teil der Kosten wird aus Steuergeldern finanziert, den Rest trägt die Kommune. Darum ist der Hintergrund für diese Maßnahme der eigentliche weitere Personalabbau und damit die Kosteneinsparung. Weil das Arbeitszeitgesetz schon seit mehreren Jahren eine 48-Stunden-Woche vorschreibt und einige Städte trotzig die dafür benötigten Feuerwehrmänner nicht mehr einstellen, fehlen diese nun. Das ging bislang auch nur gut, weil die Feuerwehrleute kooperativ waren und freiwillig 6 Stunden in der Woche für 30€ mehr arbeiteten (5 € Stundenlohn). Ab 2017 hat die Landesregierung nun diese Bezahlung entgültig untersagt. Nun sehen die Feuerwehrleute aber auch nicht ein, ohne Lohn- oder Freizeitausgleich zusätzlich Mehrarbeit zu leisten. Schließlich waren diese ja lange kooperativ und haben den Städten und Gemeinden Zeit gelassen neue Leute auszubilden und einzustellen. Dies wurde aber einfach ignoriert. Da es jetzt scheinbar aussichtslos ist auf die schnelle Feuerwehrleute zu bekommen und einige Städte auch noch dem Haushaltssicherungskonzept unterliegen kann man eben nur noch damit arbeiten, was man noch hat. Die Feuerwehrmänner die bisher den Rettungsdienst sicherstellen, werden für den Brandschutz abgezogen und durch angestellte Rettungsdienstler ersetzt, weil diese eben billiger sind. Der 12-Stunden-Dienst verursacht bei den Mitarbeitern Unzufriedenheit, Mehrarbeit trotz weniger Stunden, Familienprobleme und einiges mehr. Somit wird bei denen eingespart, die tagtäglich ohne Murren gewissenhaft ihre Arbeit verrichten und sich nicht wehren können weil sie Beamte sind und nicht streiken dürfen. Eine Sicherheitsreserve soll bei der Feuerwehr im Rettungsdienst erhalten bleiben. Aber: Angestellte haben durchaus andere Rechte als Beamte. Sicher ist ein 24-Std-Dienst im Rettungsdienst oft sehr belastend, sicher ist aber auch, daß diese Dienstform -wenn es schon Schichtdienst sein soll- die beste und bewährteste Schichtform ist. Und wenn es ausnahmsweise mal zur Mehrbelastung kommt, kennt man bei der Feuerwehr meist eine Lösung, nicht aber im Rathaus. Was am Ende teurer werden wird oder wer auf der Strecke bleibt, wird sich dann zeigen.